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Bericht aus Brüssel

Hoher Investitionsbedarf für die Nutzung erneuerbarer Energien


Anfang Februar wurde im Energieausschuss des Europäischen Parlaments (ITRE) eine Studie beraten, die sich mit der Frage auseinandersetzt, wo und in welchem Umfang bis 2050 die Netzinfrastruktur in Europa angepasst werden muss, um einen höheren Anteil erneuerbarer Energien transportieren zu könen. Als ein Hauptgrund für die Erstellung der Studie durch den Ausschuss wird angeführt, dass bereits heute ein Großteil der Investitionen zur Stromerzeugung unter anderem auch in Deutschland in erneuerbare Energien fließt. Doch um diese schwankenden Energiequellen vermehrt und effizienter nutzen zu können, müssen die europäischen Stromnetze weiter ausgebaut und erweitert werden, um das Potenzial erneuerbarer Energien voll auszuschöpfen. 

Im Gegensatz zu den fossilen Brennstoffen sind Investitionsumfänge für die Nutzung erneuerbarer Energiequellen jedoch schwer kalkulierbar, und Ertragsschwankungen müssen durch eine intelligente Netzinfrastruktur ausgeglichen werden. Ein Grundproblem sind die teilweise großen Distanzen zwischen den Gebieten, in denen ausreichend Wind, Wasser und Sonnenstrahlung zur Stromproduktion vorhanden und den Ballungszentren, in denen ein Großteil der Energie verbraucht wird. 

Viele Offshore-Windparks beispielsweise stehen weit vor der Küste in den Meeren Nord- und Mitteleuropas. Für Solarenergie wiederum herrschen vor allem in Südeuropa gute Bedingungen aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung während des ganzen Jahres.

Würden die erneuerbaren Energien durch entsprechende Investitionen in ein gesamteuropäisches Stromnetz integriert, könnten vor allem Wasser- und Windkraft noch in diesem Jahrzehnt ohne staatliche beziehungsweise internationale Anpassungshilfen wettbewerbsfähig sein, so das Fazit der Studie.

Für Solarenergie sei dies in Süd- und Mitteleuropa bereits bis 2015 zu erreichen. Möglich werde dies vor allem durch den verstärkten Wettbewerb zwischen Produzenten erneuerbarer Energie. Dafür bedarf es aber einer guten Einbindung erneuerbarer Energien in ein gesamteuropäisches Netz. Nur mit langfristiger Planung und entsprechenden Investitionen sei das zu erreichen.

Die EU-Institutionen können hier auf vielfältige Weise helfen; unter anderem durch klare und langfristige Ziele, funktionierende Kriterien für die Auswahl förderungswürdiger Projekte und die europaweite Koordinierung staatlicher Initiativen.

Die Studie kommt zu dem Schluss, zukunftsweisende Investitionen - vor allem durch die bessere Vernetzung erneuerbarer Energieressourcen Skandinaviens und dem maritimen Offshore-Regionen mit den Ballungszentren in West- und in Mitteleuropa - verstärkt herzustellen.

(Deutsches Ingenieurblatt 5/12)